5.000 Kilometer liegen hinter dem Braunkehlchen (Saxicola rubetra), wenn es im April in Deutschland ankommt: Aus den Tropen über die brütend heiße Sahara, über das salzige Mittelmeer und über die Alpen ist es geflogen.
Das Braunkehlchen liebt offene und feuchte Wiesen mit vielen Blumen, Gräsern, Stauden und kleinen Sträuchern. Doch solche Wiesen werden durch die intensive Landwirtschaft hierzulande immer seltener. Mittlerweile gibt es in Deutschland nur noch halb so viele Braunkehlchen wie zu Anfang der Neunzigerjahre! Deshalb ist es auf der Roten Liste als stark gefährdet eingestuft.

Schickes Prachtkleid: Zur Paarungszeit trägt das Männchen sein Prachtkleid. Die Kehle ist kräftig orange gefärbt und der weiße Streifen über dem Auge leuchtet besonders hell. Im Herbst sehen sie den blasseren Weibchen ähnlich.
Fühlt sich ein Braunkehlchenpaar an einem Ort wohl, baut das Weibchen unter Büschen und Hecken kuschelige Grasnester. Dazu formt es eine Mulde im Boden und polstert sie mit weichen Halmen und Moos aus.

Schlichtkleid: Die Weibchen sind weniger stark orange gefärbt. Sie können leicht mit Spatzen verwechselt werden. (Foto: Charles J. Sharp, Wikipedia)
Jetzt im Mai legt das Weibchen bis zu sieben Eier, die es allein bebrütet. Das Männchen jagt fleißig Insekten, Spinnen und Würmer, die es seiner Partnerin ans Nest bringt.

Kleine Eier: Die Eierfarbe reicht von gräulich über grünlich bis rötlich. Manchmal sind die Sprenkel so matt, dass sie wie hier kaum zu erkennen sind. (Foto: Klaus Rassinger und Gerhard Cammerer, Wikipedia)
Die Jungvögel sind nach dem Schlüpfen noch nackt und blind, entwickeln sich aber schnell. Bereits nach zwei Wochen verlassen sie neugierig das Nest und können ein paar Tage später fliegen. Trotzdem bleiben sie noch weitere zwei Wochen bei den Eltern und lernen, wie man Insekten fängt. Bis zu acht Jahre können Braunkehlchen alt werden.

Geschützte Küken: Das Nest liegt gut versteckt in einer Grasmulde. Braunkehlchen brüten bis zu zweimal pro Jahr. (Foto: Murator, Wikipedia)
Übrigens: Manchmal kommt es vor, dass ein Braunkehlchenmännchen wegen der geringen Zahl an Artgenossen keine Partnerin findet. Oft schließt es sich dann einem anderen Paar an und hilft mit, die Jungen zu füttern. Es wurde aber auch schon beobachtet, dass es sich ein Schwarzkehlchen-Weibchen sucht und mit ihm gemeinsamen Nachwuchs bekommt. Braun- und Schwarzkehlchen sind eng miteinander verwandt und teilen oft den gleichen Lebensraum.

Braunkehlchen sind Ansitzjäger: Das heißt, sie brauchen einen Ausguck, von dem aus sie ihre Beuteflüge starten. Zaunpfähle sind da genauso gut wie Äste. Auch zum Singen lassen sie sich dort nieder. (Foto: Artur Mikołajewski, Wikipedia)
Zum Weiterforschen:
- Hume, Rob: Vögel in Europa, München 2010
- Harrison, Colin und Castell, Peter: Jungvögel, Eier und Nester der Vögel Europas, Nordafrikas und des Mittleren Ostens, Wiebelsheim 2004
- Braunkehlchen. Saxicola rubetra, NABU Deutschland
- Braunkehlchen. Saxicola rubetra, LBV Landesverband Vogelschutz
- Rot-, Braun, Blau- oder doch Schwarzkehlchen? Alle Kehlchen im Vergleich, LBV Landesverband Vogelschutz
- Aus dem Rhythmus gekommen. Warum sind nahe verwandte Arten erfolgreicher als der Vogel des Jahres 2023?, NABU Deutschland
- Ohne Änderungen in der Landwirtschaft geht es nicht. Was hilft dem Braunkehlchen, welche Projekte gibt es?, NABU Deutschland
- Artensteckbrief Saxicola rubetra, Rote Liste Zentrum
- Braunkehlchen | Whinchat; Part 1, YouTube Wildkamera Zittauer Gebirge
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