Sobald die ersten Buschwindröschen und Krokusse blühen, ist auch die Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris) wieder unterwegs. Nach der langen Winterstarre stürzt sie sich hungrig auf die zarten Frühblüher und frisst ihren Pollen und ihren Nektar. Da sie sehr groß ist und beim Fliegen viel Energie verbraucht, muss sie ständig futtern, um satt zu werden. Sie fliegt auf fast alles, was gerade blüht. Im Frühling ist sie an Salweiden, Obstbäumen und Frühblühern anzutreffen, im Sommer an Beerensträuchern, Linden und Wildrosen.

Bei einstelligen Temperaturen auf Achse: Die Dunkle Erdhummel hat einen dichten Pelz, der sie warm hält.
Wenn die Dunkle Erdhummel ihren ersten Heißhunger gestillt hat, macht sie sich auf die Suche nach einem geeigneten Platz für ihr Nest. Dafür krabbelt sie über den Boden und sucht nach alten Mäusehöhlen und Maulwurfsgängen. Sie wandert bis zu 1,5 Meter in die Tiefe, um dort in einer frostsicheren Umgebung die ersten Waben aus Wachs zu bauen. Vorsichtig legt sie ihre Eier hinein und beginnt zu brüten. Dafür drückt sie ihren warmen Hinterleib an die Waben und sondert einen besonderen Duftstoff ab, ein Pheromon, durch den sich die geschlüpften Larven zu Arbeiterinnen entwickeln.

6.000 Blüten in 3 Wochen: Um die erste Generation auszubrüten, sammelt die Dunkle Erdhummel Unmengen an Pollen auf Wiesen in der Nähe ihres Nests. Den ergatterten Blütenstaub schiebt sie zu ihren Beinen und verklebt ihn mit Nektar. So entstehen die dicken Pollensäckchen.
Sobald ihre ersten Kinder geschlüpft sind, hat die Dunkle Erdhummel Unterstützung. Die kleineren Arbeiterinnen bleiben im Nest und kümmern sich um die nächste Generation. Die größeren sammeln Pollen in der Umgebung. Der Staat einer Dunklen Erdhummel kann auf bis zu 600 Bewohnerinnen anwachsen. Sie bildet damit von allen heimischen Hummeln das größte Volk aus.

Widerstandsfähig: Den Sammlerinnen macht kaltes und feuchtes Wetter weniger aus, als ihren Schwestern im Nest. Das ist auch ungemein wichtig, denn schon drei bis fünf Tage ohne Nahrung kann den Tod für den gesamten Staat bedeuten.
Im Juni hat der Erdhummelstaat seinen Höhepunkt erreicht. Die Königin beginnt, sowohl befruchtete als auch unbefruchtete Eier zu legen. Bekommen die Larven der befruchteten Eier kurz vor der Verpuppung genügend Nahrung, entwickeln sich Jungköniginnen. Aus den unbefruchteten Eiern schlüpfen später die Männchen, die sogenannten Drohnen.
Zu dieser Zeit sind die Hummeln untereinander und gegen Eindringlinge besonders aggressiv. Die Arbeiterinnen fangen an, Eier zu legen, die allerdings sofort von der Königin gefressen werden. Andersherum fressen die Arbeiterinnen die Eier der Königin. Trotz des Hin und Hers schlüpfen genügend Männchen und Jungköniginnen, die dann ausfliegen, um sich zu paaren.

Ungleiche Begattung: Königinnen werden bis zu 23 Millimeter groß. Die nur 17 Millimeter großen Drohnen haben etwa die Statur der Arbeiterinnen. (Foto: Thomas Schoch, Wikipedia)
Schon im Juli und August neigt sich das Hummeljahr dem Ende zu. Die vom Sammeln erschöpften Arbeiterinnen sterben langsam. Die begatteten Jungköniginnen suchen sich ein Plätzchen zum Überwintern. An besonders warmen Oktobertagen kommen sie allerdings gern noch einmal hervor und genehmigen sich einen Sonnenstrahl oder etwas Restpollen, bevor sie wieder ins Erdreich krabbeln.

Friedliche Stachelträgerinnen: Erdhummeln besitzen einen Stachel, mit dem sie anders als Bienen sogar mehrmals zustechen können. Wenn sie sich bedroht fühlen, nehmen sie eine Abwehrhaltung ein: Sie heben ein Bein und brummen energisch. Allerdings stechen sie erst dann zu, wenn sie fast zerdrückt werden. Erdhummeln haben kein Gift.
Die Dunkle Erdhummel hat nur einen natürlichen Feind: die Keusche Kuckuckshummel (Bombus vestalis), eine Artgenossin. Während die Erdhummel sich im Frühjahr um ihre zweite Generation kümmert und ihr Staat 20 bis 50 Arbeiterinnen umfasst, lungert die Kuckuckshummel in der Nähe des Nests herum, um dessen Geruch anzunehmen. Dann kriecht sie unerkannt hinein, spürt die Königin auf und ersticht sie!
Anschließend legt die Kuckuckshummel ihre eigenen Eier in die vorbereiteten Waben und lässt ihre Nachkommen von den Arbeiterinnen ausbrüten. Allerdings ist es für die Kuckuckshummel sehr schwierig, den richtigen Zeitpunkt für die Nestübernahme abzuschätzen. Viele von ihnen werden bei dem Versuch getötet.

Keusche Kuckuckshummel: Statt dem dunkelgelben Hüftring wie bei der Dunklen Erdhummel trägt sie einen hellgelben Ring direkt über dem weißen Po. Sie kann übrigens keinen Pollen transportieren und kein Wachs bilden. Deshalb ist sie auf einen Wirt angewiesen. (Foto: Alvesgaspar, Wikipedia)
Übrigens: Die Dunkle Erdhummel ist durch ihren breit gefächerten Speiseplan eine wichtige Bestäuberin. Sie beherrscht sogar die ganz spezielle Vibrationsbestäubung, die zum Beispiel Tomaten brauchen. Die Erdhummel setzt sich an den Blütenkelch und erzeugt mit ihren Flügeln ein schnarrendes Brummen. Dabei wackelt die Blüte, der Pollen fällt heraus und die Pflanze ist befruchtet. In dieser Art der Bestäubung ist die Erdhummel so effizient, dass sie seit den 1990er-Jahren in der Gemüseanbauindustrie eingesetzt wird. Heute ist es weltweit üblich, in geschlossenen Gewächshäusern gezüchtete Erdhummelnester einzusetzen. Dummerweise büxen dabei immer wieder einzelne Hummeln aus, die sich dann in der neuen Umgebung rasch verbreiten. In Südamerika gilt die Dunkle Erdhummel deswegen als invasive Art, die die heimischen Hummeln stark zurückdrängt. Positiver Nebeneffekt der gezüchteten Nester: Es müssen weniger Insektizide und Pestizide verwendet werden.

Kurzrüssler: Der Rüssel der Dunklen Erdhummel ist etwa halb so lang wie sie selbst (hier nur die Rüsselhülle zu sehen). Manchmal kommt sie damit nicht an den Nektar heran. In diesem Fall beißt sie den Blütenkelch an der Seite auf – Pech für die Pflanze, die dann nicht befruchtet wird.
Zum Weiterforschen:
- Erdhummel. Bombus terrestris s.l., NABU Insektentrainer
- Die Erdhummel. Die Dunkle und Helle Erdhummel (Bombus terrestris und Bombus lucorum), NABU Thüringen
- Dunkle Erdhummel, Deutsche Wildtierstiftung Wildbienen
- Dunkle Erdhummel, Wikipedia
- Keusche Kuckuckshummel, Wikipedia
- Probleme durch Einwegbestäuber. Zuchthummeln, die in fremde Ökosysteme gebracht wurden, haben große Schäden angerichtet, NABU Deutschland
- Können Hummeln stechen oder beißen?, t-online
- Hummelarten in Deutschland, Gartenjournal (Übersichtsbild)
- Warum kann eine Hummel fliegen, obwohl ihre Flügel so klein sind?, SWR Wissen
Das könnte dich auch interessieren





