Im Januar, wenn es bei uns dunkel ist und klirrekalt werden kann, genießen die meisten Hausrotschwänzchen (Phoenicurus ochruros) das milde Klima am Mittelmeer. Denn in Italien, Griechenland, Marokko und Algerien gibt es zu dieser Jahreszeit das bessere Nahrungsangebot: dicke Fliegen, fette Raupen und langbeinige Spinnen.

Kurz- und Mittelstreckenzieher vs. Standvogel: Aufgrund des Klimawandels entscheiden sich immer mehr Hausrotschwänzchen, den Winter über hier zu bleiben. Dann fressen sie statt Insekten nahrhafte Beeren und Sämereien.
Wer jedoch geflogen ist, kommt Ende Februar im Alleingang zurück. Als erstes treffen die Männchen ein. Mit etwa zwei Wochen Vorsprung vor den Weibchen sichern sie sich schon einmal die besten Brutgebiete. Die Weibchen wählen nach ihrer Ankunft die Partner danach aus, wer das üppigste Revier mit den besten Nistplätzen besetzt hat.

Anderes Kleid: Das Weibchen ist graubraun und hat einen hellen Ring ums Auge. Die Schwanzfedern sind wie bei den Männchen rötlich.
Ursprünglich lebten die Hausrotschwänzchen nur im Gebirge. Dort bauten sie ihre Nester in Felsspalten und an Steilhänge, denn sie lieben es steinig, trocken und warm. Da sie jedoch sehr anpassungsfähig sind, kommen sie auch mit Mauerlöchern, Dachvorsprüngen und Schuppen gut zurecht.
Das Weibchen übernimmt beim Nestbau die Regie. Aus Grashalmen, Bastfasern und Moos zaubert es einen kleinen, gut versteckten Napf, der mit Federn, Wolle, Haaren und sogar Papier auspolstert wird. Dort hinein legt es zwei bis sechs Eier.

Daumennagelgroß: Die Eier sind weiß, glatt und glänzend. Ab April brütet das Weibchen ca. zwei Wochen. Manchmal mogelt der Kuckuck dem Paar ein Ei unter. Das ist dann etwas größer. (Foto: Stefan-Xp, Cactus26, Wikipedia)
Sobald die Jungvögel geschlüpft sind, beteiligt sich nun auch das Männchen am Familienleben. Gemeinsam mit dem Weibchen fliegt es eifrig hin und her und versorgt die Kleinen mit Insekten und deren Larven. Nach etwa zwei bis drei Wochen ist der Nachwuchs flügge und verlässt das Paar. Für die Eltern beginnt dann gleich die nächste Runde. Bis zu drei Mal im Jahr brüten sie.

Neugieriger Teenie: Jungvögel sehen aus wie Weibchen, haben aber eine gefleckte Brust.
Besonders die unerfahrenen Jungvögel müssen nun aufpassen, nicht von einem Sperber oder einer Schleiereule gefressen zu werden. Der Straßenverkehr dagegen macht ihnen eher wenig aus, da sie sehr geschickte Flieger sind. Hausrotschwänzchen, die allen Gefahren trotzen, werden im Durchschnitt fünf Jahre alt.

Immer in Bewegung: Hausrotschwänzen wippen bzw. knicksen mit den Beinen, wenn sie gelandet sind. Dazu zittert oft ihr rostrotes Schwänzen. Dadurch wirken sie nervös und hibbelig.
Übrigens: Hausrotschwänzen haben einen unverwechselbaren Gesang. Ihre Strophe besteht aus Melodie – Knirschen – Melodie. Als echte Frühaufsteher singen sie schon 70 Minuten vor Sonnenaufgang. Im Sommer ist das mitunter bereits 3.30 Uhr...

Hohe Sitzwarte: Hausrotschwänzchen lieben einen guten Aussichtspunkt, von dem aus sie singen, aber auch jagen können. Haben sie ein leckeres Insekt entdeckt, stürzen sie sich im Steilflug in die Tiefe, um es zu fangen.
Zum Weiterforschen:
- Hausrotschwanz. Phoenicurus ochruros, NABU Deutschland
- Hausrotschwanz. Phoenicurus ochruros, Birdlife.at
- Der Hausrotschwanz ist Vogel des Jahres 2025. Ein Frühaufsteher macht das Rennen, NABU Deutschland
- Vögel und ihre Stimmen - Hausrotschwanz, Youtube (Alarm- und Kontaktrufe, Gesang)
- Morgens ein Konzert erleben. Stellen Sie Ihren Wecker nach den Piepmätzen!, NABU Deutschland Vogeluhr